Am 6. November fand im MuTh-Theater die gemeinsame Gedenkveranstaltung der ungarischen
Vereine zum 65. Jahrestag der Ereignisse von 1956 statt.
65 Jahre sind seit der Revolution und dem Unabhängigkeitskrieg von 1956 vergangen, in deren Folge
rund 200 000 Ungarn ihre Heimat verließen und über die kurzzeitig geöffneten Grenzen in eine
hoffentlich bessere Welt flohen. Für viele war Österreich nur eine Zwischenstation, und von hier aus
verstreuten sie sich in fast jeden Winkel der Welt, aber viele Ungarn fanden in diesem Land ihre
endgültige Heimat. Warum haben sie das getan, wie haben sie die Grenze überquert und wie haben
sie es danach geschafft? Diese Gedanken und Erinnerungen standen im Mittelpunkt der vom Runden
Tisch der ungarischen Organisationen in Österreich organisierten Gedenkveranstaltung.
Eröffnet wurde das Programm von Szilárd Wagner, Pfarrer der Ungarischen Evangelischen Gemeinde
in Österreich, der für diejenigen betete, die ihr Leben für die ungarische Freiheit gegeben haben.
Der Dokumentarfilm "Sie leben unter uns" von Dorina Farkas, József Bánhelyi und Gábor Kilyénfalvi,
der auf den Erinnerungen von 1956 in Österreich lebenden Flüchtlingen basiert, wurde im Rahmen
der Gedenkveranstaltung gezeigt. Die ehemaligen Flüchtlinge, die in dem Film zu Wort kamen,
erzählten von ihrem abenteuerlichen und ergreifend schwierigen Weg, die Grenze zu überqueren
und nach vielen Jahren eine Heimat in Österreich zu finden, aber dennoch Ungar zu bleiben.
Nach dem Film begrüßte Dr. Andor Nagy, Botschafter Ungarns in Wien, die Gäste. In seiner Rede hob
er die hilfreiche Solidarität hervor, die die Österreicher und ganz Europa den Ungarn in der Zeit der
Not entgegengebracht haben.
In der zweiten Hälfte des Abends erlebte das Publikum eine Wiederaufnahme der
Tanztheateraufführung "Elindultam szép hazámból" des Ungarischen Kulturvereins Délibáb in Wien
unter Mitwirkung des Dűvő-VOlksbandes und Volkssängerin Júlia Kubinyi. Das Stück behandelt den
Prozess der Flucht, die Suche nach einem Weg und einer Identität sowie die Integration und zeigt,
wie diese Menschen es geschafft haben, unter solchen Umständen ihre ungarische Identität zu
behalten. Wir danken Viktória Kovács für das Drehbuch, auf dem das Stück basiert, Csilla Szabó für
die Regie und Sándor Török für die Choreografie. Für eine Amateurtanzgruppe und einen
Kulturverein ist die Inszenierung eines historischen Gedenkens eine sehr bedeutsame Erfahrung und
eine große Verantwortung, und Délibáb hat sein ganzes Herzblut in dieses Stück gesteckt.
Die Menschen, die '56 geflohen sind, mussten ihr Leben in einer fremden Welt und in einer fremden
Sprache von Grund auf neu aufbauen, aber sie haben alle hart gearbeitet, um sich Respekt und eine
bessere Zukunft für ihre Kinder zu verdienen. Wir hoffen, dass wir sie mit diesem Abend angemessen
ehren konnten.
























